Wednesday, 28 October 2020   aktuelle Zeit  
 

We use cookies on our website. Some of them are essential for the operation of the site, while others help us to improve this site and the user experience (tracking cookies). You can decide for yourself whether you want to allow cookies or not. Please note that if you reject them, you may not be able to use all the functionalities of the site.

Unsere Mediathek  

   

Ja, ja, im Festzelt ...

1. Ein Bier bestellen geht gar nicht. Damit sagt man, dass man knickrig ist, keine Freunde hat, oder Antialkoholiker ist, quasi das Allerletzte.

2. Also immer mindestens zehn Stück, einen Meter oder ein ganzes Tablett. Nie vorher abzählen, wieviel Leute um einen herumstehen und dann genau die Anzahl bestellen. Am besten irgendeine Zahl über die Theke grölen und ab dafür.

3. Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob sie überhaupt noch ein Bier haben wollen. Wichtige Regel: Gefragt wird nicht. Saufen ist schließlich kein Spaß.

4. Wenn der Stoff da ist, nicht blöd rumgucken und überlegen, wem man denn eins in die Hand drücken soll. Am besten die Gläser wild in der Umgebung verteilen, denn nur so zeigt man seine Großzügigkeit. Nur der Kleinkarierte stellt sich da an.

5. Wer zahlt, wann, welche Runde? In der Regel kommt jeder der Reihe nach dran. Ganz miese Leute saufen die ersten neun Runden an der Theke mit und wenn sie an der Reihe wären, müssen sie plötzlich auf die Toilette. Der erste Besteller bestimmt meist die Dauer des Projekts:

Wenn er zwölf Bier bestellt, müssen alle solange warten, bis zwölf Runden durch sind. Wichtig ist, dass der Strom nie abreißt. Also wenn alle noch die Hälfte im Glas haben, sofort die nächste Runde ordern und das neue Glas in die Hand drücken.

Was voll peinlich ist: Mit zwei Gläsern in der Hand an der Theke stehen, deshalb ist Tempo angesagt beim reinschütten, ist schließlich kein Kindergeburtstag.

6. Richtig fiese Gäste bestellen zwischendurch noch eine Runde Kümmel oder die absolute Hölle Jägermeister, eine Art braunes Schlangengift, das mit dem Eiter von toten Fröschen verfeinert wurde. Hier wird es ernst. Sollte sich sowas andeuten, kann man bloß noch die Flucht ergreifen.

Merke: Bier-saufen kann man auf dem Zeltfest überleben. Bei Jägermeister weigert sich sogar der Notarzt, diese Schweinerei wiederzubeleben.

7. Konsequent durchgezogen, bist Du normalerweise auf dem Zelt um halb Neun stramm wie die Kesselflicker. Geht natürlich nicht, weil, Du kannst ja noch nicht nach Hause, wegen Verdacht auf Weichei.

Was also dann? Pausen machen!

Dafür sind in der Regel zwei Sachen vorgesehen: Döneressen und Tanzen.

Erstens: Döneressen

Vorteil: An der Bude gibt es kein Jägermeister, da bist Du also eine Zeitlang sicher vor der Alkoholvergiftung durch andere.

Die Dönerstände sind immer so konzipiert, dass die Nachfrage immer größer ist als, das Angebot. In der Bude arbeiten auch meistens Fachkräfte, denen man beim Grillen die Schuhe besohlen kann. Einzige Qualifikation: Sie können mit einem Sauerstoffanteil in der Luft von unter 1% überleben, deswegen wirken sie auch so scheintot. Nun sagt der Laie: Was ein Scheiß, das könnte man doch viel besser organisieren: Zack-zack kämen die Döner übern Tresen.

Falsch: Die mickrigen Dönerbuden mit den Untoten am Grill, stehen da nicht aus Versehen, sondern absichtlich. Hier kann man Asyl beantragen von der Sauferei und je länger man auf das verkohlte Fleisch warten muss, desto größer die Überlebenschance.

Zweitens: Tanzen

Im Vergleich zu Döneressen natürlich die schlechtere Wahl, weil anstrengend und mit Frauen. Aber irgendwann geht halt kein Fleisch mehr rein in den Pansen und Du musst in den sauren Apfel beißen. Also zack, ein Mädel von den Bänken gerissen und irgendwie bescheuerte Bewegungen machen. Wenn Du Glück hast, spielt die Kapelle mehr als zwei Stücke und Du kannst Dir ein paar Bier aus den Rippen schwitzen. Hast Du Pech, kommt sofort nach dem ersten Stück der Thekenmarsch und Du stehst wieder da, von wo Du gerade geflohen bist.

Drittens: Sektbar

Eine richtig gruselige Bude, quasi die Abferkelbox im Festzelt. Hier ist es so voll und eng, hier bleibst Du auch noch stehen, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Es soll schon Kriegsverletzte gegeben haben, denen hat man in der Sektbar beide Beinprothesen geklauten und sie haben es nicht gemerkt. Doch der Preis, den Du für die Stehhilfe zahlst ist hoch: Du musst Sekt saufen aus so mickrigen Blumenvasen, die man von der Spermaprobe beim Urologen kennt. Ziemlich eklig alles. Wenn es keine Sektbar gibt, gibt es meist eine Cocktailbar:

Cocktail heißt im Zelt aber nicht Caipirinha oder Margerita, sondern Fanta/Korn oder Korn mit Fanta. Also vorsichtig. Hier kann es ganz schnell zu Ende gehen. Eine Alternative für den ganzen schnellen Weg ins Nirwana ist noch der nordische Zaubertrank: Nordhäuser Korn. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her immer noch eine reelle Sache:

So besäuft sich der kritische Verbraucher und hat es ruckzuck geschafft. Doch bevor Du nach Hause darfst, kommt noch ein ganz wichtiger Punkt, nämlich... Viertens: Erbrechen

Klingt sch...., Du wirst aber dankbar sein, wenn Dein Körper, Dir dieses Geschenk bereitet. Du hast Platz für neue Döner und vielleicht sogar Glück, dass Du die letzten zwanzig Bier noch erwischst, bevor sie Dein Gehirn erreicht haben.

Der Profi jedenfalls, erbricht oft und gern. - So jetzt wären wir auch schon bald beim Nachhause gehen. Haha.

Viertens: Wenn Du aber den Zeitpunkt verpasst hast, und Du kommst wieder ins Zelt und es sind bloß noch zwanzig Mann übrig.

Ätsch: Arschkarte gezogen. Denn jetzt heißt es:

Fünftens: Die Letzten

Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie Fassaussaufen - es ist immer mehr drin, als Du denkst, oder Absacker trinken. Wenn es ein Nordhäuser ist, kannst Du Dir gleich den Umweg über den Notarzt sparen und den Bestatter anrufen. Jeder passt jetzt auf, dass keiner heimlich abhaut. Die ersten sacken einfach so vor der Theke zusammen, damit sie jedenfalls nicht noch mehr saufen müssen. Vorteil dieser Phase des Zeltfestes: Du musst nicht mehr extra nach draußen latschen, um die Toilette aufzusuchen: Geht jetzt alles vor Ort.

Sechstens: Nach Hause

Fällt aus. Mach Dir keine Illusionen: Alleine schaffst Du es nicht mehr, Taxis gibt es nicht auf dem Land, und wenn, würden sie Dich nicht mitnehmen. Deine Frau kommt nicht, um Dich zu holen. Die ist froh, dass dieses Wrack nicht in der Wohnung liegt und der Gestank in die Möbel zieht. Was bleibt ist:

Siebtens: Der Morgen danach

Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Ritzen in der Zeltfestplane. Du wirst wach von einem Zungenkuss, wie Du ihn noch nie in Deinem Leben bekommen hast. Leidenschaftlich geküsst bist Du zurück.

Dann machst Du Deine verklebten Augen auf und blickst in das fröhliche Gesicht des zottigen Köters vom Karussellbetreiber.

Und mit einem eigenen Beitrag zum Thema Würfelhusten fängt der Tag wieder an. Dein Kopf fühlt sich an wie nach einem Steckschuss. Jetzt hilft nur noch: Stützbier bis die Maschine wieder halbwegs normal läuft.

Seid froh, dass die Kirmessaison nur einmal im Jahr ist. Wir alle hier können stolz und fröhlich sein, denn auch in diesem Jahr haben wir all dies überlebt.

   

Besucherzähler

HeuteHeute1
GesternGestern1
Diese WocheDiese Woche3
Dieser MonatDieser Monat28
GesamtbesucherzahlGesamtbesucherzahl155205
Höchster Besuchertag 01-30-2018 : 444
Letztes Update: | 10.03.2020 | 20:04 Uhr |

Vielen Dank für Ihren Besuch!

   

Datenschutz - Grundverordnung

   

We use cookies on our website. Some of them are essential for the operation of the site, while others help us to improve this site and the user experience (tracking cookies). You can decide for yourself whether you want to allow cookies or not. Please note that if you reject them, you may not be able to use all the functionalities of the site.